Christian Neureuther: Vom Slalom-Ass zur festen Instanz im deutschen Wintersport

Christian Neureuther ist der ehemalige deutsche Skirennläufer, der in den 1970er-Jahren sechs Weltcup-Rennen im Slalom gewann und damit zu den prägendsten Figuren des westdeutschen Skisports wurde. Geboren am 28. April 1949 in Garmisch-Partenkirchen, machte er sich einen Namen als technisch brillanter Torlauf-Spezialist, blieb bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften jedoch stets ohne Podestplatz. Heute kennt man ihn vor allem als TV-Experten, Ehrenbotschafter des Wintersports und als Witwer von Skilegende Rosi Mittermaier.

Wer ist Christian Neureuther? Die Anfänge einer Ski-Karriere

Aufgewachsen im Werdenfelser Land, stand Neureuther praktisch von Kindesbeinen an auf den Latten. Garmisch-Partenkirchen war damals wie heute eine Talentschmiede des deutschen Skisports, und der junge Neureuther fiel früh durch seine Kurventechnik im Slalom auf.

Sein internationaler Durchbruch fiel in eine Zeit, in der der westdeutsche Skiverband auf der Suche nach neuen Gesichtern war. Zwischen 1969 und 1981 bestritt er eine Karriere, die ihn zum verlässlichsten Torlauf-Fahrer seiner Generation machte – auch wenn der ganz große Wurf bei einem Championat ausblieb.

Die Weltcup-Jahre im Überblick

In der Weltcup-Gesamtwertung im Slalom belegte er 1973 und 1974 jeweils den zweiten Platz. Nationale Titel sammelte er dagegen im Dutzend: Zwischen 1971 und 1978 sicherte er sich mehrfach die westdeutsche Slalom-Meisterschaft, dazu kamen Riesenslalom-Titel und ein Erfolg in der Kombination.

KategorieErgebnis
Weltcup-Siege (Slalom)6
Beste Olympia-Platzierung5. Platz (Slalom, 1976 & 1980)
Teilnahmen Olympische SpieleSapporo 1972, Innsbruck 1976, Lake Placid 1980
Nationale Slalom-TitelMehrfach zwischen 1971 und 1978
Podest bei GroßereignissenKeiner

Kein Podest bei Olympia – die bittere Konstante

Gerade bei den Winterspielen 1980 in Lake Placid lag eine Medaille für Neureuther zum Greifen nah. Im Rückblick erzählte er selbst, wie ihm ausgerechnet in dieser Form eine herausgerissene Torstange in die Ski geriet und ihn um Hundertstelsekunden eine Platzierung auf dem Treppchen kostete. Diese Szene gilt bis heute als eine der bekanntesten Fußnoten seiner aktiven Zeit.

Bei aller sportlichen Konsequenz blieb genau dieser fehlende Podestplatz das Element, das seine Laufbahn von der seiner späteren Ehefrau unterscheidet – und das ihn im Rückblick nie wirklich losgelassen hat.

Christian Neureuther und Rosi Mittermaier: eine der großen Liebesgeschichten des Sports

Kennengelernt hatten sich die beiden Skistars früh, geheiratet wurde 1980. Aus der Verbindung mit der zweifachen Olympiasiegerin von Innsbruck 1976 wurde eine Partnerschaft, die 42 Jahre hielt – bis Rosi Mittermaier am 4. Januar 2023 im Alter von 72 Jahren nach einer Krebserkrankung in Garmisch-Partenkirchen starb.

Öffentlich sprachen beide selten übertrieben pathetisch über ihre Beziehung. Neureuther fasste das Rezept einmal so zusammen: Es brauche keine Leistung und keinen Willen, sondern vor allem Glück, sich früh und unverstellt gefunden zu haben. Diese Nüchternheit, gepaart mit echter Zuneigung, machte das Paar über Jahrzehnte zu einer Art Symbolfigur für Verlässlichkeit im sonst schnell wechselnden Sportgeschäft.

Familie als Konstante

Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor: Felix Neureuther, selbst erfolgreicher Weltcup-Fahrer und heute gefragter TV-Experte, sowie Ameli Neureuther. Mit den Enkelkindern Matilda, Leo und Lotta ist die Familie mittlerweile auch in der dritten Generation eng mit dem Skisport verbunden – Neureuther selbst betont gerne, wie viel ihm gemeinsame Tage auf der Piste mit den Enkeln geben.

Nach der Karriere: TV-Experte, Ehrenbotschafter, Vater

Sein Wechsel vom Rennanzug ins Fernsehstudio verlief nahezu nahtlos. Als Skiexperte begleitete Neureuther jahrzehntelang Großereignisse, moderierte, kommentierte und ordnete sportliche Leistungen ein – meist mit einer direkten, unprätentiösen Sprache, die ihn von klassischen Fachkommentatoren unterschied.

Bei den Winterspielen 2026 in Cortina d’Ampezzo meldete er sich erneut kritisch zu Wort und äußerte sich zur Trägheit der Sportpolitik gegenüber den Leistungen deutscher Athletinnen und Athleten. Auch abseits des Mikrofons bleibt er gefragt: Bei Charity-Terminen mit Sohn Felix wird gern und offen an Rosi erinnert, ohne dass daraus eine inszenierte Betroffenheitsshow gemacht wird.

Umgang mit Trauer

Mehr als drei Jahre nach dem Tod seiner Frau spricht Neureuther inzwischen erstaunlich offen über schlaflose Nächte und die bewusste Entscheidung, seine Sorgen nicht auf Felix abzuwälzen. Diese Direktheit – fern jeder Larmoyanz – hat ihm in den vergangenen Jahren viel Respekt eingebracht, auch außerhalb der Wintersport-Community.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Wie alt ist Christian Neureuther und wo wurde er geboren?

Christian Neureuther wurde am 28. April 1949 in Garmisch-Partenkirchen geboren.

Wie viele Weltcup-Rennen hat Christian Neureuther gewonnen?

Er gewann insgesamt sechs Weltcup-Rennen im Slalom, konnte jedoch nie eine Medaille bei Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften erringen.

Wie lange waren Christian Neureuther und Rosi Mittermaier verheiratet?

Die beiden waren von 1980 bis zu Rosi Mittermaiers Tod im Januar 2023 insgesamt 42 Jahre verheiratet.

Was macht Christian Neureuther heute?

Er ist als TV-Experte für den Wintersport aktiv, tritt als Ehrenbotschafter auf und äußert sich regelmäßig zu aktuellen Entwicklungen im Skisport.

Mehr lesen: Franca Lehfeldt