Simone Höller – Die Frau hinter preisgekrönten Fernsehfilmen mit Haltung

Simone Höller, Jahrgang 1972, ist eine deutsche Filmproduzentin und Drehbuchautorin, die seit über einem Jahrzehnt zu den prägenden Kräften hinter gesellschaftskritischen TV-Produktionen zählt. Ihr Weg dorthin verlief nicht durch eine klassische Filmhochschule, sondern über vier akademische Disziplinen, eine Promotion und mehrere Jahre in der Medienpolitikforschung. Genau dieses ungewöhnliche Fundament erklärt, warum ihre Stoffe anders klingen als der durchschnittliche Fernsehfilm.

Das akademische Fundament von Simone Höller: Vier Fächer, eine Richtung

An den Universitäten Aachen und Köln studierte sie Geschichte, Politikwissenschaft, Germanistik und Philosophie – eine Kombination, die für eine angehende Filmschaffende auf den ersten Blick unorthodox wirkt, bei näherer Betrachtung aber konsequent ist. Wer Gesellschaft zeigen will, muss sie zuerst verstehen. Dazu kam eine gezielte Weiterbildung in den handwerklichen Kernbereichen des Films: Drehbuch, Regie und Produktion.

Den akademischen Abschluss bildete ihre Promotion zum Dr. phil. – eine Qualifikation, die in der deutschen Filmindustrie selten ist und ihren analytischen Blick auf Stoffe und deren gesellschaftliche Reichweite dauerhaft geschärft haben dürfte.

Zwischen Forschung und Praxis: Die Jahre am Institut für Medienpolitik

Von 2005 bis 2010 arbeitete Höller als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medien- und Kommunikationspolitik. Diese fünf Jahre waren keine Übergangsphase, sondern eine aktive Auseinandersetzung mit den Strukturen, Machtverhältnissen und Abhängigkeiten der deutschen Medienlandschaft.

Das Institut gehört zu den renommiertesten Forschungseinrichtungen für Medienpolitik und Medienökonomie im deutschsprachigen Raum. Wer dort arbeitet, denkt nicht nur darüber nach, was im Fernsehen zu sehen ist – sondern warum es gezeigt wird, wer die Entscheidungen trifft und welche gesellschaftlichen Konsequenzen Programmgestaltung und Medienkonzentration nach sich ziehen. Dieses analytische Rüstzeug trägt Höller seither in jede Produktionsentscheidung.

Der Einstieg bei FFP New Media: Von der Forschung in die Filmproduktion

Nach dem Ende ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit wechselte Höller nach Köln zur FFP New Media, einer Filmproduktionsfirma mit Schwerpunkt auf fiktionalen und dokumentarischen Formaten. Als Producerin übernahm sie zunächst die operative Verantwortung für einzelne Projekte – von der Stoffentwicklung bis zur Koordination zwischen Regie, Sender und Set.

Ihr erster großer Stoff war bezeichnend: „Der wirkliche Amerikaner – Joe McCarthy“ (2010), ein Dokumentarfilm unter der Regie von Lutz Hachmeister über den berüchtigten US-Senator und sein politisches Erbe. Ein Signal, das von Beginn an Richtung wies – historische Tiefe, politische Schärfe, kein leichtes Entertainment.

Simone Höller als Produzentin seit 2014: Gesellschaftskritik als Handschrift

Ab 2014 trägt sie offiziell den Titel Produzentin, und seither hat sich eine unverwechselbare inhaltliche Handschrift herausgeschält. Ihre Filme greifen reale gesellschaftliche Konflikte auf, zeigen Menschen in Ausnahmesituationen und verweigern einfache Antworten.

„Das weiße Kaninchen“ (2016, Regie: Florian Schwarz) war einer der frühen deutschen TV-Filme, der Cybermobbing unter Jugendlichen ernsthaft dramatisierte – damals noch ein Tabuthema im öffentlich-rechtlichen Programm. „Weil du mir gehörst“ (2019, Regie: Alexander Dierbach) beleuchtete häusliche Gewalt und emotionale Abhängigkeit in ihrer alltäglichen Realität. Mit „Ramstein – Das durchstoßene Herz“ (2022, Regie: Kai Wessel) erinnerte Höller an das Airshow-Unglück von 1988 – eines der schwersten Massenunfälle in der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Diese Auswahl ist kein Zufall. Sie zeigt eine Produzentin, die bewusst Stoffe wählt, die gesellschaftlichen Schmerz sichtbar machen, ohne in reine Betroffenheitsdramaturgie zu verfallen. In der deutschen TV-Landschaft ist das keine Selbstverständlichkeit.

Die „Lost in Fuseta“-Reihe: Deutsches Fernsehen mit Atlantikblick

Mit „Lost in Fuseta – Ein Krimi aus Portugal“ (2022, Regie: Florian Baxmeyer) und dem Nachfolger „Lost in Fuseta – Spur der Schatten“ (2023, Regie: Felix Herzogenrath) betritt Höller internationales Terrain. Die auf den Romanen von Gil Ribeiro basierende Reihe spielt an der portugiesischen Algarve und bedient das wachsende Zuschauerbedürfnis nach atmosphärischen Auslandsproduktionen im deutschen Fernsehen – ohne dabei den sozialkritischen Blick aufzugeben.

Die „Billy Kuckuck“-Reihe: Serielle Kontinuität mit Regisseurspartner

Seit 2018 produziert Höller die Fernsehreihe „Billy Kuckuck“ mit mehreren Fortsetzungen unter der Regie von Thomas Freundner – von „Eine gute Mutter“ (2019) über „Aber bitte mit Sahne!“ (2020) und „Angezählt“ (2021) bis zu „Mutterliebe“ (2022). Diese langfristige kreative Partnerschaft zeigt, wie Höller Vertrauen als produktives Kapital versteht.

307 production GmbH: Unternehmerische Eigenverantwortung ab 2022

Im April 2022 trat Höller in eine neue Phase ein: Als Geschäftsführerin und Produzentin der 307 production GmbH in Köln übernahm sie unternehmerische Verantwortung, die weit über die kreative Seite hinausgeht. Eine eigene Produktionsfirma bedeutet in der deutschen Filmwirtschaft die volle Kontrolle über Stoffentwicklung, Partnerschaften, Finanzierungsstrukturen und strategische Ausrichtung.

307 production steht für den nächsten logischen Schritt einer Karriere, die über zwei Jahrzehnte gewachsen ist – von der Forscherin zur Producerin, von der Producerin zur Produzentin, von der Produzentin zur Unternehmerin.

Filmografie im Überblick

JahrTitelRegie
2010Der wirkliche Amerikaner – Joe McCarthyLutz Hachmeister
2011Lasagne (Kurzfilm)Luca Zamperoni
2014Für immer ein Mörder – Der Fall RitterJohannes Grieser
2016Das weiße KaninchenFlorian Schwarz
2016Der mit dem SchlagLars Becker
2017Eine gute MutterClaudia Garde
2018Der NesthockerFranziska Meyer Price
ab 2018Billy Kuckuck (Fernsehreihe)Thomas Freundner u. a.
2018Margot muss bleiben!Jan Ruzicka
2019Eine gute MutterThomas Freundner
2019Weil du mir gehörstAlexander Dierbach
2020Aber bitte mit Sahne!Thomas Freundner
2021AngezähltThomas Freundner
2022MutterliebeThomas Freundner
2022Ramstein – Das durchstoßene HerzKai Wessel
2022Lost in Fuseta – Ein Krimi aus PortugalFlorian Baxmeyer
2022Du sollst hörenPetra Katharina Wagner
2022Sterben ist auch keine LösungIngo Rasper
2023Lost in Fuseta – Spur der SchattenFelix Herzogenrath

Familie: Zwei Generationen vor und hinter der Kamera

Im Juli 2006 heiratete Simone Höller den Schauspieler Luca Zamperoni (*1970), der durch zahlreiche Rollen in deutschen TV-Produktionen bekannt ist. Das Paar lebt mit seinen zwei Kindern in Köln. Ihre Tochter Lola Höller ist inzwischen selbst als Schauspielerin tätig – die kreative Familientradition setzt sich fort.

Bemerkenswert: 2011 führte Zamperoni Regie beim Kurzfilm „Lasagne“, für den Höller als Producerin fungierte. Beruf und Privatleben verlaufen in dieser Familie nicht auf getrennten Gleisen – sie verflechten sich auf produktive Weise.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Wer ist Simone Höller und womit ist sie bekannt?
Simone Höller, geboren 1972, ist eine deutsche Filmproduzentin und Drehbuchautorin aus Köln. Bekannt ist sie vor allem für preisgekrönte, gesellschaftskritische Fernsehfilme wie „Das weiße Kaninchen“, „Ramstein – Das durchstoßene Herz“ und die „Lost in Fuseta“-Reihe. Seit April 2022 leitet sie als Geschäftsführerin die 307 production GmbH.

Welche Ausbildung hat Simone Höller?
Höller studierte Geschichte, Politikwissenschaft, Germanistik und Philosophie in Aachen und Köln und schloss ihr Studium mit einer Promotion zum Dr. phil. ab. Darüber hinaus absolvierte sie eine Weiterbildung in Drehbuch, Regie und Produktion, bevor sie ihre Karriere in der Filmwirtschaft startete.

Bei welcher Produktionsfirma arbeitet Simone Höller aktuell?
Seit April 2022 ist Simone Höller Geschäftsführerin und Produzentin der 307 production GmbH in Köln. Zuvor war sie viele Jahre bei der Kölner Filmproduktionsfirma FFP New Media tätig, wo sie zunächst als Producerin und ab 2014 als Produzentin arbeitete.

Mit wem ist Simone Höller verheiratet und hat sie Kinder?
Sie ist seit Juli 2006 mit dem deutschen Schauspieler Luca Zamperoni (*1970) verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder: Tochter Lola Höller, die selbst als Schauspielerin arbeitet, und einen Sohn. Die Familie lebt in Köln.

Mehr lesen: Alfred Tacke